Wo Gesetze gemachte werden: die Assemblé Nationale
Am Freitagmorgen — Sonnenaufgang, die Stadt erwacht — durften wir die Nationalversammlung während einer Debatte zu einem Gesetzentwurf über sexuelle Gewalt gegenüber Frauen und Kindern besuchen und für einen Teil der Sitzung auch zuhören (Fotoverbot).
Davor und danach wurden wir über die Funktionen und den Aufbau der Nationalversammlung informiert und haben mit einem Abgeordneten aus unserer Partnerstadt Blagnac geredet und ihm Fragen zu seiner Arbeit und dem Wahlkampf gestellt. Er war sehr sympathisch und offen und konnte sogar deutsch sprechen, da er in Berlin studiert und gearbeitet hatte.
Die Sicherheitskontrolle war ähnlich wie im Bundestag, jedoch haben wir mehr vom Gesamtgebäude gesehen, neben dem Sitzungssaal z.B. auch die gerade restaurierte historische Bibliothek, und viel Neues zu dessen Geschichte erfahren.
Rhea
Im Schlafzimmer der High-Society des 18. Jahrhunderts
Am 2. Tag, kurz nachdem wir uns während unserer Mittagspause die Zeit genommen hatten, einen typischen Café Olé (:-)), ein Croissant sowie ein Chocolatine zu verzehren (außerhalb von Toulouse: Pain au chocolat), haben wir uns in Richtung der nächsten Sightseeing-Attraktion begeben: In ein Atelier zur Blattgold-Handwerkskunst ins Hôtel de la Marine zu gehen, war unser Plan. Jedoch wurden wir 5 Minuten vor der Führung von unserem Guide links liegen gelassen (Krankmeldung), also haben wir uns für die Alternative entschieden: einen audiobegleitenden Gang durch die Korridore des Intendanten Pierre-Élisabeth Fontanieu im Hôtel de la Marine, eines bedeutenden Franzosen der High Society des 18 Jahrhunderts. Sein Auftrag: Möbel, Teppiche, Waffen und andere Ausstattung für den König Frankreichs zu lagern.
Beeindruckt hat mich die prachtvolle und gut erhaltene Einrichtung und die Geschichten über die Menschen aus der Zeit, die in Relation zu den Zimmern standen. Dadurch konnte man sich gut vorstellen, wie das Leben dort früher ausgesehen hat.
Mein persönlicher Lieblingsmoment war, als ich das Schlafzimmer des Intendanten betreten habe und plötzlich über seine Rolle als systematischer Frauenverführer sowie über seine Obsession bei Opernsängerinnen erfahren habe.
Die Erzählung war sehr fesselnd, da die Führung durch den Themenwechsel nochmal spannender wurde, weil wir nicht nur über die hochklassige Einrichtung einen Eindruck gewinnen konnten, sondern auch über das Privatleben und das tägliches Nachkommen seines erotischen Verlangens.
Die höfische Musik, die im Hintergrund lief hat auch einen großen Beitrag zu meiner räumlichen Auffassung beigesteuert, da man sich wie ein Beobachter des Alltäglichen der High-Society fühlen konnte.
Leni
Durch das ausgefallene Atelier mehr autonome Zeit auf den Champs-Elysées mit Treffen am Arc de Triomphe.
Paris is magic!
Paris am Abend braucht eigentlich keine große Inszenierung. Lichter spiegeln sich auf den Straßen, aus den Cafés duftet es nach frischem Teig und örtliche Musiker spielen ihre mal mehr, mal weniger schönen Lieder. Auf dem Weg zur Crêperie bretonne zeigte sich die Stadt der Liebe also von ihrer herbstlich-romantischen Seite.
Dort wurden nun also das erste Mal Bruchteile seiner Sprachkenntnisse genutzt. Gar nicht so leicht, bei dem Lärm, der im Inneren des Ladens herrschte. Zwischen süßen und herzhaften Varianten fiel die Wahl nicht leicht. Schließlich saßen wir mit unseren zugegebenermaßen unglaublich köstlichen Crêpes da und genossen das für Paris typische Nachtleben. Mein persönliches Highlight war neben dem angenehmen Ambiente aber die Einrichtung der Crêperie, welche mit vielen Postern und Schildern so wirkte, als sei sie etwas in der Zeit stehengeblieben.
Gerade aufgegessen, ging es weiter zum Musical „Paris is Magic“. Auf der Bühne wurde Paris durch Musik, Tanz und Licht zum Leben erweckt. So erlebten wir die Stadt an diesem Abend aus ganz verschiedenen Blickwinkeln. Zum einen aus der Sicht des klassischen Touris, und zum anderen aus der Sicht vom älteren Teil der Einwohner von Paris, welche sich einen schönen Abend in einem echt charmanten Theater machen wollten. Besonderer Moment: Gruppen-Selfie mit den zwei Hauptdarsteller:innen!
Als wir später wieder nach draußen kamen, war die pulsierende Stimmung der Hauptstadt ein wenig abgeklungen. Alle freuten sich merklich auf ihr Bett, wobei einige von uns den Abend im Vorplatz des Hostels mit angenehmen Gesprächen haben ausklingen lassen.
(Paul)

















